Allgemein, Liebe

Interview mit einer Tinderella

Ich durfte die liebe Franzi von briefkastenliebe zu dem Thema Onlinedatingapps und insbesondere ihre Tindererfahrungen interviewen.

Liebe Franzi, herzlichen Dank, dass du dir Zeit nimmst meine Fragen zu beantworten. Du bist wie ich eine Bloggerin, die gerne über die Themenbereiche „Liebe“ und Männer schreibst. Ich für meinen Teil habe mittlerweile festgestellt, dass Datingapps à la Tinder nicht wirklich lohnt, wenn man etwas ernstes sucht. 

Was sind deine Erfahrungen mit Tinder?
– Facettenreich. Es stand mir nie der Sinn danach mitzuzählen, aber ich glaube, ich hatte doch wahrlich etliche Dates, um allerhand Kuriositäten davon erzählen zu können. Wobei ich anmerken möchte, dass mir eigentlich nie etwas wirklich wirklich blödes dabei passiert ist. Sicher, nicht alle Dates waren fabelhaft, aber ich musste auch noch bei keinem Date schlagartig flüchten.

Was war das schrägste Date mit einem Tindertypen?
– Hm, das übelste Date war ein Kerl, der sich selbst zwei Bier mitbrachte für unser geplantes Park-Date und mich dann bat, mir selbst mein Bier im Späti zu kaufen. Schräg im Sinne von überraschend-toll verlief tatsächlich mein letztes Date: Eigentlich waren wir recht unspektakulär auf ein Kneipenbier verabredet, wurden dort von unseren Tischgenossen allerdings irgendwann dazu animiert, mit den beiden Herren eine Runde Kniffel zu spielen. Ich glaub, das war eines meiner witzigsten Dates. 

Was war der schrägste Tindertyp?
– Den habe ich zum Glück nie getroffen, denn ich musste den Chat prompt löschen. Er wollte sich blindlings zum Sex treffen. Ich mit verbunden Augen, er meinen Körper dabei erkundend. Ähm… ja.

Bist du auch der Meinung, dass zu 95% der User dort auf eine schnelle Nummer aus sind?
– 95%? Nein. Vielleicht, wenn man nur über die Touris auf Tinder in Berlin spricht. Sonst würde ich das allerdings nicht so hoch ansetzen. Ich glaube, es ist immer wichtig, seine eigenen Vorstellungen zu kennen und diese auch direkt zu kommunizieren. Wer nur vögeln will, wird nicht endlos viel in sein Match investieren. Und auch sonst: Ich glaube, dass Bilder und Text hierbei wirklich weiterhelfen. Ich selbst habe einen klaren Spruch im Profil und zudem auch keine Bilder, die direkt Sexphantasien auslösen werden. Wer dann auch bei seinem Gegenüber darauf achten, hat ganz gute Chancen, dass mehr als nur Sex die Absicht sein dürfte. Ich wische zum Beispiel bei Profilen mit nur einem Bild und vor allem ohne Text direkt nach links.

Du schriebst ja auch darüber, dass ein Tindertyp sich nicht mit dir treffen wollte, weil er dein Profilbild erkannt hat und wohl über deinen Blog Bescheid weißt. Wie fühlte es sich an, dass zu lesen?
– Es schlagen ach zwei Herzen in meiner Brust. Erstens: Dann sollte es nicht sein. Zweitens: Ich fühle mich geehrt.
Grundlegend finde ich sein Urteil etwas vorschnell. Denn wie ich es auch in meinem Artikel zu dieser Thematik beschrieben habe: Ich date nicht, um zu schreiben. Vielmehr ist es die Natur der Sache, die mich immer wieder zum Niederschreiben bewegt und wenn etwas schief gelaufen ist, dann ist es meines Erachtens ebenso erzählenswert wie ein wundervolles Date. Wenn jemand davor Angst hat, dann stellt sich mir vielmehr die Frage, ob er nicht an sich glauben mag. Besagter Herr hätte ja auch eine wirklich schöne Geschichte werden können und: wenn er mich darum gebeten hätte, wäre ich selbstverständlich auch bereit gewesen, nicht über
unsere Begegnung zu schreiben.

Wie fühlt es sich für dich an bei Tinder angemeldet zu sein?
– Normal?! Als ich Online-Dating vor einigen Jahren zum ersten Mal ausprobierte, fürchtete ich tatsächlich sehr, mir könnte jemand online begegnen, dem ich eher nicht von meiner vermeintlichen Suche berichten möchte. Inzwischen sehe ich das alles überaus entspannt: Insbesondere in einer Stadt wie BErlin ist gefühlt jeder zweite mit einem Profil auf Tinder, Lovoo oder OKcupid vertreten. Das ist ein offenes Geheimnis und wenn man dann keine peinlichen Bilder oder einen seltsamen Text drin stehen hat, ist es nicht einmal schlimm, wenn man Arbeitskollegen im Tindergarten begegnet. Und ohnehin: Sie sind ja auch dort registriert 😉

In einer Großstadt wie Berlin sollte man doch eigentlich auch ohne Tinder immer wieder neue Leute (auch Männer) kennenlernen oder empfindest du Tinder eher als ein nettes Gadget?
– Hm, sicherlich begegnen einem in Berlin ein wenig häufiger attraktive Menschen auf der Straße, im Café oder sonst irgendwo, aber mal Hand auf´s Herz: wie oft sprechen wir diese Menschen an? Oder sie uns? Eben. Unser Alltag strotzt vor Digitalität und so gehört Online-Dating einfach zu ihm. Natürlich würde ich Mister Right auch gern beim Kaffee trinken begegnen, aber da das nur so semi klappt, muss man eben ein wenig nachhelfen, auch in Berlin. Ist halt einfacher, so mit anderen Singles ins Gespräch zu kommen. 

Schreibst du nach einem Match auch die Männer an oder wirst du meist angeschrieben? 
– Hin und wieder lasse ich mich dazu hinreißen, dem Mann zuerst zu schreiben, bin aber tatsächlich nach etlichen Erfahrungen dazu übergegangen, dass der Männerwelt zu überlassen. Denn Fakt ist für mich: Kaum eines meiner Dates kam dadurch zustande, dass ich den ersten Schritt gemacht habe. Wohingegen es anders herum sehr gut klappt. Wenn Mann wirklich neugierig ist, dann schreibt er und alles bekommt eine Chance. 

Würdest du den Singles eher empfehlen in der realen Welt zu daten, oder es über Datingapps zu versuchen? Nur was ist, wenn man nicht so häufig vor die Tür kommt bzw. nicht so viel ausgeht?
– Grundsätzlich möchte die Fahne ganz ganz doll nach oben strecken und sagen: Traut euch! Sprecht attraktive Mitmenschen an, trefft euch, traut euch – erkundet die Welt mit offenen Augen statt stets und ständig im Smartphone-Bildschirm zu versinken! Natürlich weiß ich, dass es dazu noch ein wenig mehr als nur Mut braucht, denn man muss ja auch erstmal einen tollen Menschen auf der Straße entdecken und dann auch noch das Glück haben, dass dieser Single und auf der Suche ist… somit sehe ich Tinder & Co schlichtweg als essentielle Gadgets unserer Zeit, auf die man als Single mit bestem Gewissen zurückgreifen darf!

Vielen lieben Dank für die ausfühlichen Antworten! Ich hoffe, dass es vielleicht auch eine Art Botschaft an meine Single-Leser ist, es entweder über Tinder & Co. tatsächlich zu versuchen oder einfach die reale Welt dafür zu nutzen. Auf jeden Fall sollte man das Onlinedating nicht all zu ernst nehmen und sich zu sehr darauf versteifen. Egal wie ihr sucht, ich wünsche euch viel Glück dabei! 🙂

 

Bis bald,
Eure Miss Lisbeth.

 

 

 

 

 

 

 

Beitragsbildquelle: Briefkastenliebe
 

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