Zur falschen Zeit am falschen Ort

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich glaube, dass kennt doch jeder von uns irgendwie, oder?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich im falschen Jahrhundert lebe.
Je älter wir werden umso schwieriger ist es auch geworden jemanden zu finden, der zu uns passt und auch eine Beziehung möchte. Eigentlich sollte es zu Zeiten vom Internet und Onlinedating ja möglich sein so jemanden zu finden. Aber wie ist es eigentlich zustande gekommen, dass derzeit die Generation nun „Generation Beziehungsunfähig“ heißt?

Natürlich möchte ich hier nicht alle unter einem Kamm scheren. Doch ich habe (zumindest online) Männer kennengelernt, die keine Beziehung wollten, sondern ihren Spaß. Auch offline habe ich letztens auf einen Geburtstag so jemanden kennengelernt, der eine Beziehung nicht möchte – generell!
Bei einigen habe ich den Verdacht, dass sie vielleicht durch vergangene Beziehungen beziehungsunfähig geworden sind. Nur frage ich mich, was habe ich vom temporären Spaß, wenn ich dauerhaft eine Beziehung mit einem tollen Menschen führen könnte? Ist dieses Verliebtseingefühl nicht viel schöner?

Ich kann natürlich auch verstehen, wenn die Singles in ihrer Vergangenheit oft genug verarscht und verletzt worden sind und somit schwer Vertrauen fassen können. Mir geht es da teilweise nicht viel anders. Dennoch sollte man sich gewisse Dinge trauen, andere Menschen kennenlernen, Dates haben und sich bestenfalls glücklich verlieben. Ich weiß, einfacher gesagt als getan!

Zu früheren Zeiten war es auf jeden Fall einfacher jemanden kennenzulernen, sei es jetzt auf einer Party, durch Freunde oder auch im Internet. Auch vor einigen Jahren. Doch kaum einer möchte noch den Verpflichtungen einer Beziehung nachkommen, lieber die Freiheit genießen. Sich durch die Gegend vögeln. Hauptsache man kommt keiner Verpflichtung nach oder lässt auch nicht Gefühle zu.

Außerdem habe ich auch das Gefühl, dass die Männer nicht mehr wirklich um eine Frau herum schwirren, ihr Bestes geben, damit die Frau endlich einem Date zusagt. Vielmehr wird sich direkt nach der nächsten umgeschaut ob sie willig ist oder nicht. Auch wenn es in der Beziehung (sofern man so weit gekommen ist) nicht mehr rund läuft, wird selten um die Beziehung gekämpft! Da frage ich mich wieder: WIESO? Na gut, es lebe die Wegwerfgesellschaft. Leider.

Sollte ich jemanden – egal auf welchem Weg auch immer – mal kennenlernen und es läuft nicht so rund, werde ich versuchen um die Beziehung zu kämpfen. Aber halt mal. Ist es nicht so gesehen die Aufgabe des Mannes oder lebe ich doch teilweise hinterm Mond? Ist das nicht mehr modern?

Vielleicht können  mir ja meine Leser älteren Semesters die Fragen beantworten, warum es so gekommen ist wie es ist in der Datingwelt.

Gilt dann eurer Meinung nach noch der Spruch „jeder Topf findet seinen Deckel“ oder ist das dann auch nicht mehr so ganz passend? Ich habe nämlich das Gefühl, wir leben in einer Welt voller Individuen, was ja auch gut ist. Jetzt kommt das große Aber. Aber ich habe das Gefühl, dass so einige Singles versuchen ein größeres Individuum zu sein als alle anderen. Und somit ist es für diejenigen ja noch schwieriger einen passenden Partner zu finden, der sie so akzeptiert und liebt wie man ist.

Dennoch frage ich mich, wie kam es zu solch einer großen Wandlung des Datings? Sind wirklich diese Apps daran schuld, also die Technologie vielleicht im Allgemeinen? Oder liegt es doch viel mehr an den Menschen selbst. Laut einigen Statistiken steigt ja auch eher die Scheidungsrate als die Heiratsrate.

Manchmal wünsche ich mir einfach, dass ich in einem anderen Jahrhundert leben würde, in welchem das Dating einfacher war als heutzutage. Wo es vielleicht auch in der Hinsicht noch was gesitteter zugeht als heutzutage. In welchem der Mann noch den Vater um die Heiratserlaubnis bittet. Es wäre so schön, wenn man manchmal die Zeit zurückdrehen könnte oder wie seht ihr das so?

Bis bald,
Eure Miss Lisbeth.

 

 

Bildquelle: www.pixabay.com

One thought on “Zur falschen Zeit am falschen Ort

  1. Ach, Lisbeth,

    wie jung bist du denn? Und ab wann ist jemand für dich ein „älteres Semester“? Vermutlich zähle ich mit 61 Jahren zu der Zielgruppe, deren Meinung du abfragen willst? Oder zählen erst meine Eltern dazu (83 und 90 Jahre alt)?
    Wie auch immer.

    NEIN, es war früher NICHT einfacher, einen Partner zu finden. Weder für mich noch für meine Mutter, weder für meinen (leider verstorbenen) Mann noch für meinen Vater. Wir haben uns ALLE gefragt, ob „jeder Topf seinen Deckel“ findet, meine Schwester (Ende 50) genauso wie meine gleichaltrige Schwägerin. Dafür kenne ich Leute in der Generation meiner Nachkommen, die damit keinerlei Probleme hatten.

    Egozentrismus ist menschlich und keine Ausgeburt der Beckschen Individualisierungstendenzen (ja, ich bin Soziologin). Und eine kollektivistische Grundhaltung ist für eine erfüllte und erfüllende Partnerschaft nicht zwingend nützlicher als eine individualistische. Kollektivismus führt nämlich in vielen Fällen zu Zweckehen, zu arrangierten Ehen, auch zu Scheinehen. Und viel zu häufig zu – Ehen, auch wenn losere Partnerschaften die bessere Alternative wären.

    Erfreu dich also, wenn du kannst, am Individualismus der Gegenwart, versuch, dir selbst zu genügen, hab Spaß, wenn Spaß angeboten wird, und sei glücklich, wenn daraus eine Beziehung entsteht. Anders haben wir es vor 30, 40 (meine Eltern vor 50, 60) Jahren auch nicht gemacht. Meine Großeltern übrigens auch nicht. Und auch nicht meine Großtanten und Großonkel.
    It’s just human, you know?
    Viel Erfolg trotzdem in allem, was du tust und anstrebst
    Elke

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.